„Ruhrlink“-Sprechfunknetz

Entgegen dem vielfach anzutreffenden Trend der „vollständigen Digitalisierung“ erlebt der klassische Analogfunk in Südwestfalen derzeit einen kleinen Aufschwung. Im Rahmen des „Ruhrlink“-Sprechfunknetzes wird im Gegensatz zu den volldigitalen Standards ganz bewusst die Kombination aus bewährter analoger und moderner digitaler Technik eingesetzt.

Für den Betrieb bis zum nächsten Umsetzer oder auch hin zum lokalen HotSpot eigenen sich ganz gewöhnliche FM-Funkgeräte. Es sind weder besondere Bedienschritte noch Laptop und/oder Programmierkabel erforderlich. Erst am Repeater bzw. HotSpot wird das Signal digitalisiert und weiterverarbeitet. Durch die Verwendung moderner Codecs ist die Audioqualität hervorragend.

Die Vernetzung mehrerer Repeater oder Links bzw. HotSpots erfolgt ausschließlich über das HAMNET. Dabei werden hauptsächlich schnelle Richtfunkstrecken auf Amateurfunkfrequenzen eingesetzt. Es ist keine externe Infrastruktur (z.B. Internetserver) erforderlich; das System funktioniert völlig unabhängig vom Internet und unabhängig von zentralen Einrichtungen und/oder zentralen Betreibergruppen.

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HAMNET-Antennen: Typische Antennenanlage mit Linkstrecken und Userzugang

Die verwendete Software SvxLink von Tobias, SM0SVX und SvxServer von Adi, DL1HRC (siehe www.svxlink.de) ist offen und frei verfügbar. Mit Hilfe der beiden Programme lassen sich auf sehr einfache Weise Relaisstandorte und auch Simplex-Links sowie lokale HotSpots miteinander vernetzen. Dabei gibt es gegenüber anderen Systemen ein paar entscheidende Vorteile:

  • offene Software, offene Codecs
  • keine Abhängigkeit von zentralen Betreibergruppen
  • keine Abhängigkeit von externer Infrastruktur
  • kommt völlig ohne Internetverbindungen aus
  • keine Registrierung der Benutzer nötig
  • völlig herstellerunabhängig

Ein weiterer Vorteil ist, dass vorhandene Komponenten (Funkgeräte, Repeater) weiterhin verwendet werden können. Zudem ist keine besondere Bedienung erforderlich. Als Hardware ist an allen Standorten ein Raspberry Pi mit passendem Interface völlig ausreichend. Speicherkarten-Images mit fertig installierter und vorkonfigurierter Software incl. SvxLink und SvxServer gibt es kostenlos zum Download (siehe www.hamserverpi.de).

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RadioBox: Mit eigebautem VHF- oder UHF-Transceiver (z.B. als lokaler HotSpot)

Zur einfachen Umrüstung von Relaisfunkstellen oder zur Realisierung lokaler HotSpots befindet sich derzeit geeignete Hardware in Vorbereitung. Die „RadioBox“ wird mit eingebautem VHF- oder UHF-Transceiver als „Stand-Alone-System“ im Simplex-Modus betrieben; die „RepeaterBox“ ist kompatibel zur vielfach bei Relaisfunkstellen eingesetzten WX-Steuerung. Daher reicht dort das Umstecken sowie ein Abgleich der Audiopegel in meisten Fällen völlig aus. Die Verwendung alternativer Hardware ist natürlich ebenfalls möglich.

Die Netzwerkanbindung erfolgt im Idealfall direkt über die Antenne per HF zum nächsten HAMNET-Standort. Sollte das einmal nicht möglich sein, kann ersatzweise auch eine VPN-Verbindung genutzt werden. Dies funktioniert sowohl über LAN, WLAN als notfalls auch über Mobilfunk (UMTS/LTE). Die dazu erforderliche Software ist auf den oben beschriebenen Systemen ebenfalls installiert und vorkonfiguriert.

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RepeaterBox: Belegung WX-kompatibel, z.B. zum Anschluss an einen Repeater

Im Rahmen eines Betatests wurden die ersten Relaisfunkstellen in Südwestfalen bereits umgerüstet (Übersicht siehe hier). Die Vernetzung erfolgt zunächst statisch, d.h. alle angeschlossenen Systeme (inclusive lokaler Links/HotSpots) sind fest miteinander verbunden. Die Teilnehmer können sich untereinander hören und auch miteinander sprechen. Zusätzlich ist es möglich, an den einzelnen Standorten weitere Dienste und Funktionen wie z.B. EchoLink, Papagei, Mailbox, Wetterinformationen etc. aufzuschalten. Eingesetzt wird jeweils ein Prototyp der „HAMServerPi RepeaterBox“.

Jeder Sysop kann mit der Kombination aus SvxLink und SvxServer übrigens ganz einfach auch selbst einen eigenen Relaisverbund realisieren. Dazu reicht es aus, wenn an einem der beteiligten Standorte der SvxServer installiert und aktiviert wird. Alle anderen SvxLink-Systeme verbinden sich mit diesem Server. Dazu braucht nur die Adresse des Servers auf den jeweiligen Clients eingetragen werden.

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Ruhrlink: Die Repeater DB0HAT, DB0WET und DM0HA sind bereits über HF erreichbar

Später ist vielleicht auch eine dynamische Vernetzung, also in etwa genauso wie bei den bestehenden DigitalVoice-Systemen, geplant. Die einzelnen Server werden dabei jedoch nicht zentral betrieben und verwaltet sondern sind jeweils lokal und unabhängig. Die Verbindung kann dann per DTMF z.B. über ein einfaches Rufnummernsystem, welches leicht einprägsam und weltweit eindeutig ist, hergestellt werden.

Durch die konsequente Verwendung des HAMNET sind weder Registrierung, Anmeldung noch zentrale Verzeichnisserver etc. erforderlich. Da zudem überwiegend Funkverbindungen eingesetzt werden, geht das Ganze ein deutlichen Schritt weg vom „Internetfunk“ und wieder hin zum „echten Amateurfunk“.

Weitere Informationen zum HAMNET, dem „Ruhrlink“-Sprechfunknetz sowie weiteren lokalen Projekten gibt es auf www.ruhrlink.org.